Weihnachtsfeiern

Von Anfang an gehörten Advents- und Weihnachtsfeiern zum Bild des Sozialwerkes Stukenbrock. Die Vertriebenen kamen in der Regel aus den ländlichen und dörflichen Regionen ihrer Heimatländer. Hier gab es auch vorher oft kaum das zum Leben Notwendige, viele kannten den Hunger nur zu gut.

Die Kriegsjahre und die beschwerliche Flucht nach hier taten ein Übriges. Oft trafen die Menschen nur mit dem ein, was sie am Leibe trugen, vielleicht noch ein paar leicht zu transportierende Habseligkeiten wie Bilder oder einen Kochtopf. Im Sozialwerk Stukenbrock war nun endlich die Zeit gekommen, wieder das Weihnachtsfest zu feiern.

Die ersten Weihnachtsfeiern fanden in Nissenhütten statt. Man saß an mit einfachen Mitteln festlich geschmückten Tischen. Die Kanonenöfen ließen in den großen, nicht isolierten Wellblechhütten die Temperaturen kaum über 10 oder 12 Grad erwärmen. Aber wenn man nach so vielen Jahren der Entbehrlichkeit endlich wieder Weihnachten miteinander feiern konnte, spielten die niedrigen Temperaturen kaum eine Rolle.

Etwas ganz Besonderes war für die Menschen, dass es trotz der ärmlichen Nachkriegsjahre sogar ein Geschenk gab. Bei vielen Vertriebenen flossen Freudentränen, als man ihnen sagte, dass sie das Geschirr und Besteck, von dem sie gerade das Festtagsessen genossen hatten, nun als ihr Geschenk mitnehmen durften. Es war oft das Erste, was sie wieder ihr Eigen nennen konnten. Für die Kinder gab es, meist aus Spenden finanziert oder selbst hergestellt, ein kleines bescheidenes Spielzeug.

Ein besonderer Höhepunkt für die Kinder waren die Nikolausfeiern. Schwester Siegtraut führte die Kinder und die Eltern in einem langen Fackel- und Laternenzug in einen der Speisesäle. Kräftig wurden Nikolaus- und Weihnachtslieder angestimmt, um insbesondere Knecht Ruprecht milde zu stimmen. Dann kamen endlich der Nikolaus und sein Knecht, jedes Jahr anders: Mal war es eine Kutsche, mal hoch zu Pferde und in einem Jahr kamen die beiden sogar mit einem Motorrad, Knecht Ruprecht im Beiwagen. Groß waren die Augen beim Anblick der bunten Nikolaustüten. Äpfel, Nüsse und Kekse waren ja schließlich noch rar zu dieser Zeit.

Insbesondere in der Advents- und Weihnachtszeit gab es für die Mitarbeiter noch mehr Arbeit als sonst. Aufgrund der zahlreichen Feiern - schließlich sollten viele Hunderte Menschen sich wie zu Hause fühlen - gab es kaum freie Termine für eine Mitarbeiterweihnachtsfeier. Kurzerhand entschloss man sich, am Heiligabend morgens um 5.00 Uhr mit dem Personal und den Schwestern zu feiern. Diese Tradition blieb bis in die 60er Jahre erhalten.