Fachtagung zur wissenschaftlichen Aufarbeitung und Erforschung des Sozialwerkes Stukenbrock

Am 5. und 6. Oktober 2018 fand eine zweitägige Fachtagung auf dem ehemaligen Gelände des Sozialwerkes Stukenbrock, der heutigen Polizei-Ausbildungsstätte des LAFP NRW, zur Erforschung des Flüchtlingslagers statt.

Die Tagung war Auftaktveranstaltung für die wissenschaftliche Aufarbeitung des Sozialwerkes Stukenbrock und informierte über die Möglichkeiten einer späteren Präsentation in Museumsform .

Veranstalter war die Gedenkstätte Stalag 326 in Kooperation mit dem Arbeitskreis des Landeskirchlichen Archivs der EKvW. Die Veranstaltung stand unter der Schirmherrschaft des Präsidenten des Landtages NRW, André Kuper.

Über 40 Wissenschaftler, Archivare, Vertreter öffentlicher Institutionen und der Politik sowie Interessierte Bürger nahmen an der Tagung teil. Eingeladen war auch Gerd Plückelmann, Autor der Seite www.sozialwerk-stukenbrock.de, der bisher einzigen der Öffentlichkeit zugängliche gemachte Dokumentation mit umfangreichem Bildmaterial, Zeitungsartikeln, Reportagen und Berichten über das Sozialwerk.

Zunächst gab es einen Rundgang über das Areal in zwei Gruppen zu den wenigen Gebäuden und Bereichen, die noch aus der Zeit des Sozialwerkes erhalten sind. In einer der Gruppen wurde allerdings leider mehr Bezug zum früheren Strafgefangenenlager Stalag 326 und zum darauf folgenden Internierungslager als weniger zum Sozialwerk genommen. Aufgrund einiger weniger anwesender Zeitzeugen konnten aber dennoch viele Erinnerungen wach werden. Sie zeigten überaus lebendig, was für eine wichtige und einmalige Institution das Sozialwerk seinerzeit war und wie sich Leben und Arbeit damals gestalteten.

Im weiteren Verlauf des ersten Tages gaben Vorträge kurze Einblicke in Teilbereiche der Geschichte und Organisation des Sozialwerkes, zur Situation der Flüchtlinge und Vertriebenen am Beispiel des größten Bereichs Block A (Evangelisches Johanneswerk) sowie zur Rolle der Wohlfahrtverbände und Kirchen im Sozialwerk Stukenbrock. Weitere Beiträge widmeten sich den konfessionellen Orten der Institution mit dem Schwerpunkt Ev. Lagerkirche sowie der Darstellung des Sozialwerkes in der Lokalpresse der Nachkriegszeit.

Am zweiten Tag des Symposiums wurden Gedenkstätten, Ausstellungs- und Museumskonzepte anderer Einrichtungen dieser Art vorgestellt. Letztlich wurde eine Diskussion geführt, ob eine Einbindung des Sozialwerkes Stukenbrock in die Gedenkstätte Stalag 326 sinnvoll erscheint.

Kommentar

Die Aufarbeitung des Sozialwerkes darf nicht einfach ein Anhängsel der Gedenkstätte Stalag 326 werden! Denn abgesehen vom Gelände und der anfänglichen Nutzung der übriggebliebenen Baracken und Nissenhütten aus dem Kriegsgefangenen- und später Internierungslager, war das Sozialwerk Stukenbrock eine damals neue, völlig selbständige soziale Einrichtung mit eigener Kultur und Zielsetzung, getragen von mehreren unterschiedlichen Wohlfahrtsverbänden, die erstmalig so kooperativ zusammenarbeiteten. Das Sozialwerk Stukenbrock ist daher eine überaus wichtige Einrichtung der deutschen Nachkriegszeit mit besonderem Stellenwert. Es darf nicht nur zu einem Nebenschauplatz einer Gedenkstätte werden, die sich mit der - überaus wichtigen - Aufarbeitung der Zeit vor 1948 beschäftigt.

Gerd Plückelmann